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Projektbeschreibung

Urbane Musik und Stadtdesign zur Zeit der frühen Habsburger - 
Wien im 14. – 15. Jahrhundert*

Univ. Prof. Dr. Susana Zapke

Zum thematischen Kern

Das Forschungsthema versteht sich als Beitrag zur Wiener Stadt- und Kulturgeschichte im Zeitraum vom ausgehenden 14. bis Anfang des 16. Jh. Der zeitliche Rahmen wird zwischen der ersten Gründung der Wiener Universität im Jahr 1365 und ihrem Niedergang in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts – aufgrund des Konfessionsstreits, der Türkenbelagerung und weiterer interner Faktoren – festgelegt. In diese Periode fallen epochale historische Ereignisse, etwa das Konzil von Konstanz, das Konzil von Basel und die im Anschluss daran von Kloster Melk ausgehende monastische Reformbewegung unter Herzog Albrecht V., deren Auswirkungen sich österreichweit bemerkbar machen und die in einem unmittelbaren Zusammenhang zur gegenständlichen Forschungsthematik stehen.

Mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde von Herzog Rudolf IV. und seinen Brüdern Albrecht III. und Leopold III. 1365 und dessen Neugründung durch Albrecht III. 1384 begann die wechselvolle Geschichte der Universität Wien und des wenige Monate später gestifteten collegium civium. Der Zwiespalt zwischen stifterlichem Impuls und stifterlicher Herrschaft einerseits und den Strukturen der Selbstorganisation andererseits lassen in dieser und in weiteren herzöglichen Stiftungen singuläre Profile erkennen. Jede neue Stiftung trägt zum urbanen Design der Stadt Wien bei und impliziert die progressive Veränderung der sozialen und kulturellen Wirklichkeit. Welches movens unterliegt den einzelnen Stiftungen? Wie reagiert die Stadt auf den zunehmenden Einfluss gelehrter und frühhumanistischer Strömungen im ausgehenden 14. und im 15. Jahrhundert? Wie manifestiert sich jene intellektuelle Verdichtung im Musikverständnis und in der musikalischen Praxis der Zeit? Welche musikalischen Räume sind außerhalb der offiziell erfassbaren, institutionalisierten Habitaten der Musikpraxis und -lehre in Wien identifizierbar? Welche Sonorität / musikalische Identität verbindet sich mit der mittelalterlichen Stadt? [Arbeitstitel FWF-Forschungsprojekt: Musik im Umfeld der Universität und des Frühhumanismus, Wien im 14.-15. Jh.]

Zur einflussreichen Wiener Bildungselite des 15. Jh. zählen nicht nur die urbanen Gelehrtennetzwerke sondern ebenso die geistlichen Repräsentanten aus Konventen und Kirchen. Die geistige Topographie der Stadt Wien lässt diverse Zentren der Musikpflege erkennen wie etwa das Augustinerkloster, die Kantorei von St. Stephan, das collegium civium, das collegium ducale, die Bursen, das Dorotheastift, das Dominikanerkloster, das Franziskanerkloster, das Schottenstift und nicht zuletzt die Kreise der Privatgelehrten und der Adels- und Bürgerfamilien. Musikalische Räume können zudem auch außerhalb dieser klar definierten Institutionen nachgezeichnet werden. Für eine musikalische Praxis außerhalb der Normative sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum der Stadt konnten zahlreiche Belege identifiziert werden. In den Straßen und Plätzen Wiens, in den Gasthäusern und Privaträumen wird Musik auf vielfältige Weise praktiziert. Das mit sozialer Energie aufgeladene Repertoire trägt zur Konstituierung eines gemeinsamen Klangraums bei. Die Musik dient somit nicht nur als Marke der internen institutionellen Artikulation und der kollektiven Identität der jeweiligen Zentren, sondern lädt die Öffentlichkeit zur Partizipation und somit zur Gestaltung eigener Räume ein. Die Stadt Wien lässt sich aus dieser Perspektive als musikalische Komposition ablesen. Das soziokulturelle- und das intellektuelle Kommunikationssystem erscheinen in diesem Lichte als ein notierter Raum.

Die Aufarbeitung von über zweihundert musiktheoretischen und musikpraktischen Quellen aus dem Umfeld der Universität und der mit ihr interagierenden Wiener Bildungsinstitutionen bildet einen zentralen Gegenstand des Forschungsprojektes. Urkunden, Stiftungsbriefe und weitere dokumentarische Belege werden ergänzend aufgenommen. Die Rekonstruktion des Stellenwerts der Musik im universitären Curriculum und im Rahmen der Konstituierung Wiens als Wissenszentrum, als intellektueller Transferknoten mitteleuropäischer Bildungszentren und als Enklave unterschiedlicher kultureller Praktiken sind Bestandteile der Untersuchung, ebenso die musikalische Erfahrung in der Alltagspraxis. Die Forschungsergebnisse zielen u.a. auf die Definitionen von Musik und Urbanität, Musik als Formungselement eines sozialen Raums und von Sonorität als identitätsstiftendes Moment hin. Die Optik der Stadt als Bühnenbild, als Repräsentationsraum koexistierender musikalischer Praxen, als Ort simultaner Ereignisse lässt die Singularität Wiens im ausgehenden 14. und 15. Jh. plastisch erkennen.

Die hier behandelte Thematik betritt insofern Neuland, als die Geschichte der mittelalterlichen Stadt Wien mit all ihren kulturpolitischen und sozialgeschichtlichen Implikationen von der Musikforschung bisher nicht genügend berücksichtigt wurde. 

Stichworte

Musik- und kulturwissenschaftliche Studie / Intellektuelle Geschichte der Stadt Wien im 14.- 15. Jh. (ca. 1365-1510) / Geschichte der Universität Wien / Gelehrtenkultur und internationale Netzwerke: Sozio-kulturelles Profil, Denkmuster und Interessenrepräsentativität, Profil der Gelehrtenbibliotheken / Prosopographie / Positionierung der Musik im Bildungssystem der Zeit: Septem artes liberales - Studia humanitatis / Einfluss des Humanismus: scientia musica – ars musica, via antiqua – via moderna / Kollektive und individuelle Musikreflexion und -praxis / Urbane Musik und Stadtdesign / Musik und Urbanität / Soziale Räume der Musikpraxis / Soundscapes.

Zur Datenbank

Die Datenbank berücksichtigt einen vielfältigen Überlieferungsbestand aus dem Umfeld der Wiener Universität wie etwa der Bursen, des collegium civium, der Kantorei von St. Stephan, des Hofs, der Klostergemeinschaften und der Gelehrtenbibliotheken der Stadt sowie weiterer mit diesen interagierenden Zentren und Personen innerhalb und außerhalb 'Österreichs'. Die Diversität an Quellen umfasst u.a. Reportationes, Mitschriften, musikalische Lehrtexte und Musikrepertoire, Briefe, Sermones, Statuten, Universitätsakten, Universitätsmatrikeln, Rechnungsbücher und diverse Urkunden wie etwa Stiftsbriefe, Testamente und Schenkungen. Sowohl Handschriften als auch Einblattdrucke und erste Druckexemplare (Inkunabula) wurden in die Untersuchung mitberücksichtigt.

Die über zweihundert in der vorliegenden Datenbank aufgenommenen Quellen stammen hauptsächlich aus der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek. Weitere Quellen aus dem Pfarrarchiv St. Michael, aus dem Schottenstift, dem Dominikanerstift, dem Universitätsarchiv und dem Stadt- und Landesarchiv Wien vervollständigen den Bestand. Schließlich wurden Quellenbestände sowohl aus österreichischen – wie etwa Weitra, Klosterneuburg, Zwettl, Salzburg und Heiligenkreuz – als auch aus internationalen Zentren wie etwa Paris, Prag, Krakau, Bologna, Padua, Breslau, Ljubljana und Leipzig, die mit der Universität und der Stadt Wien interagiert haben, in der Datenbank aufgenommen.

Das umfassende Register der in den Quellen erwähnten Personennamen  - die Prosopographie - ermöglicht einen Einblick in die Sozialgeschichte und verweist auf künftige Auslegungen im Sinne einer kollektiven Biografie.

Eine eigene Kategorie bilden die kunsthistorischen Artefakte, die nicht nur zur Erfassung des Kultur- und Bildungsprofils der Stadt Wien, sondern auch zur Visualisierung der materiellen Kultur und der singulären Ästhetik jener Zeit dienen. Unter der Kategorie Soundscapes und Performance Spaces soll die Klanggeschichte der Wiener Stadt partiell rekonstruiert werden.

Die vorliegende Datenbank erhebt nicht den Anspruch eines Katalogs, sondern stellt die Pluralität der Materialien in einen zunächst losen Zusammenhang zu Verfügung. Die Quellen unterliegen einer selektiven Beschreibung, d.h. nur jene Bestandteile, die für die vorliegende Thematik relevant sind, werden hier berücksichtigt und erschlossen.

Die selektierten Bestände verstehen sich als Archiv eines übergeordneten Themas, das in den einzelnen Fachpublikationen und in der geplanten Monographie sukzessive erschlossen wird. Die transversale Lektüre der vielfältigen Materialien ermöglicht einen zunächst umfassenden thematischen Überblick sowie die Verknüpfung von Kultur-, Material- und Personengeschichte.

Susana Zapke, Wien 12. Dezember 2012 (Datum der Erstveröffentlichung)

*Arbeitstitel: Musik in Wien im Umfeld der Universität und des Frühhumanismus, Wien im 14.-15. Jahrhundert
 

Die Datenbank wird laufend aktualisiert!  (2017)

© Alle Rechte vorbehalten

Projektstruktur

Projektförderung

FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Projektlaufzeit: September 2009 – Februar 2012

Arbeitstittel: Musik in Wien im Umfeld der Universität und des Frühhumanismus, 14.–15. Jahrhundert

Zum FWF-Zapke Projekt


Projektleitung

Univ. Prof. Dr. Susana Zapke

ÖAW - Zapke


Projektmitarbeiter

Mag. Eva Kreuz (geb. Greimler)
Abgeschlossenes Lehramtsstudium in den Fächern Latein und Geschichte an der Universität Wien. Derzeit Studium der Archäologie in Salzburg.

Mag. Andrea Bottanova, MA Universität Wien
Abgeschlossenes Studium der Geschichte, Geschichtsforschung, Archivwissenschaft und historische Hilfswissenschaften an der Wiener Universität. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Bildung-, Wissenschafts- und Erziehungsgeschichte des Mittelalters.


Institutionelle Partner

Link Aktuelle Projekte Österreichische Nationalbibliothek

Österreichische Nationalbibliothek, Sammlung von Handschriften und alten Drucken

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für Musikforschung

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, Abteilung Schrift- und Buchwesen

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, Abteilung Editionsunternehmen und Quellenforschung /MIR

Universität Salzburg, Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Danksagung

An dieser Stelle sei der ausdrückliche Dank an alle, die zur Realisierung des Projekts mit ihrem großzügigen Rat und steter Unterstützung beigetragen haben, herzlich ausgesprochen:

Univ. Prof. Dr. Margaret Bent, CBE, FBA, All Souls College, Oxford
Dr. Michael Bernhard, Lexicon Musicum Latinum, Bayerische Akademie der Wissenschaften
Dr. Friedrich Buchmayr, Bibliothekar Stiftsbibliothek St. Florian
Dr. Regina Czermann, Pächt-Archiv, Universität Wien
Dr. Martin Czernin, olim. Handschriften- und Inkunabelsammlung Schottenstift
Univ. Prof. Marie-Madeleine de Cevins, Université de Rennes
Dr. Annemarie Fenzl, Archiv-Leiterin, Diözesanarchiv Wien
Dr. Andreas Fingernagel, Direktor der Sammlung von Handschriften und alten Drucken, ÖNB
Mag. Sonja Führer, Archiv-Leiterin, Erzabtei Stift St. Peter, Salzburg
HR Univ. Prof. Dr. Ernst Gamillscheg, ÖNB Wien
Dr. Christine Glassner, Kommission für Schrift- und Buchwesen der ÖAW
Univ. Prof. Natasa Golob, Universität Lubljana
em. Univ. Prof. Dr. Helmuth Grössing (i.R.), Präsident der Öst. Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte
em. Prof. Dr. Dr. h.c. Gernot Gruber, Kommission für Musikforschung, ÖAW
Reinhard H. Gruber, Archiv der Metropolitan- und Domkirche zu St. Stephan
Univ. Prof. Barbara Haggh-Huglo, University of Maryland
Dr. Alois Haidinger, Kommission für Schrift- und Buchwesen der ÖAW
Dr. Martin Haltrich, Archiv- und Bibliotheksleiter Stift Zwettl, Kommission für Schrift- und Buchwesen ÖAW
Dr. Karl Heinz, Monasterium. Das virtuelle Urkundenarchiv Europas, MOM
Dr. Wolfgang Hilger, Universität Wien
Dr. Karl Holuber, Stiftsarchiv Klosterneuburg
Michel Huglo
Mag. Katrin Jilik, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, ÖNB
Dr. Wolfgang Katzenschlager, Pfarrarchiv Weitra
Bartholomeus und Christina Khevenhüller - Metsch
Mag. Christian Kircher, Wien Museum
Univ. Prof. Dr. Elisabeth Klecker, Klassische Philologie, Universität Wien
Mag. Anton Knoll, Sammlung für Inkunabeln, alte und wertvolle Drucke ÖNB
Dr. Michaela Kronberger, Wien Museum
Univ. Prof. Dr. Christian Lackner, Institut für Geschichte, Universität Wien
Dr. Franz Lackner, Kommission für Schrift- und Buchwesen der ÖAW
Assunta und Matthias Leutzendorff von Preysing
Univ. Prof. Christina Lutter, Institut für Österreichische Geschichte, Univ. Wien
HR Mag. Thomas Maisel, Archiv der Universität Wien
Dr. Olivier Marin, Université Paris Nord, Institut Universitaire de France
Christian Meyer, Université de Nancy
Dr. Konstanze Mittendorfer, Inkunabeln, alte und wertvolle Drucke ÖNB
Univ. Doz. Dr. Kurt Mühlberger, Archiv der Universität Wien
Univ. Prof. Dr. Meta Niederkorn, Universität Wien
Dr. Alexander Rausch, Kommission für Musikforschung der ÖAW
Univ. Prof. Dr. Ingomar Rainer, Univ. für Musik und Darstellende Kunst Wien
Dr. Martin Roland, Pächt-Archiv, Universität Wien
Dr. Arthur Salinger, ehem. Museum Mittelalterlicher Kunst, Orangerie, Unt. Belvedere
Univ. Doz. Dr. Barbara Schedl, Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien
Pater Gustav Schörghofer SJ, Jesuiten Wien
Univ. Doz. Dr. Johannes Seidl, Archiv der Universität Wien
Mag. Friedrich Simader, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, ÖNB
Dr. Sonja Svoljsak, National and University Library Lubljana
em. Univ. Prof. Dr. Reinhard Strohm, Universität Oxford
Eva und Christoph Trentini
Mag. Maximilian Alexander Trofaier, Handschriften- und Inkunabelsammlung Schottenstift
Pater Peter Van Mejil, Pfarre St. Michael Wien
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Eric Wagner, Historisches Institut, Universität Münster
Univ. Doz. Martin Wagendorfer, Kommission für Schrift- und Buchwesen, ÖAW
Dr. Johann Weissensteiner, Diözesanarchiv Wien
Univ. Prof. Dr. Peter Wright, Universität Nottingham

Ein besonderer Dank gebührt den MitarbeiterInnen der Sammlung von Handschriften und alten Drucken sowie des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek.

Copyright

© Urbane Musik und Stadtdesign. Alle Rechte vorbehalten.

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Ende

English (United Kingdom)Deutsch (DE-CH-AT)

Die fundamentalen Codes einer Kultur, die ihre Sprache, ihre Wahrnehmungsschemata, ihren Austausch, ihre Techniken, ihre Werte, die Hierarchien ihrer Praktiken beherrschen, fixieren gleich zu Anfang für jeden Menschen die empirischen Ordnungen, mit denen er zu tun haben und in denen er sich wiederfinden wird.

Michel Foucault, Les mots et les choses

Paris 1966

Kooperation




The research was funded by the
Austrian Science Fund (FWF): M1161-G21